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Inhalt

Januar 2021: 120 Jahre Schmiede Jürgens in Wennemen

Von der Huf- und Wagenschmiede zur Kunstschmiede - Eine Erinnerung und Würdigung von Georg Jürgens, Endorf



Erste Generation

Heinrich Jürgens als Dragoner in Hofgeismar (1982 - 1995)
Heinrich Jürgens als Dragoner in Hofgeismar (1982 - 1995)
Heinrich Jürgens, der Urgroßvater des Kunstschmiedes Rafael Jürgens, wurde am 10. Januar 1871 in Arnsberg geboren. Nach dem Besuch der Katholischen Elementar-Knabenschule in Arnsberg begann er eine dreijährige Lehre in der Wagenschmiede und Posthalterei Heinrich Hövel in Arnsberg und war in dieser zeit Schüler der Handwerker-Fortbildungsschule in Arnsberg. Auf der damals üblichen Wanderschaft, der "Walz", erweiterte der Geselle seine praktischen Fähigkeiten in verschiedenen Schmiedebetrieben in Krefeld, Lippstadt, Hannover, Unna und Arnsberg. Im November 1900 legte Heinrich Jürgens die Meisterprüfung als Huf- und Wagenschmied ab.

Ausgestattet mir dem nötigen handwerklichen Rüstzeug und angetrieben von dem Wunsch nach Selbständigkeit, nutzte der junge Schmiedemeister die Gelegenheit, im Herbst 1900 die Dorfschmiede in Wennemen von dem verstorbenen Schmied Anton Fischer zu übernehmen. Die Selbständigkeit und damit die eigentliche Betriebsgründung ist nach Mitteilung der Maschinen- und Metallberufsgenossenschaft in Düsseldorf auf den 2. Januar 1901 datiert.

Schmiedemeister Heinrich Jürgens (links) vor seiner 1909 erbauten Schmiede und dem 1909 erworbenen Wohnhaus. Neben ihm stehen Schustern Heinrich Voß, Lehrling Rudolf Babilon, Johannes Theune mit zwei Söhnen
Schmiedemeister Heinrich Jürgens (links) vor seiner 1909 erbauten Schmiede und dem 1909 erworbenen Wohnhaus. Neben ihm stehen Schustern Heinrich Voß, Lehrling Rudolf Babilon, Johannes Theune mit zwei Söhnen
Zwischenzeitlich "1892 bis 1895" war Heinrich Jürgens bei dem Dragoner-Regiment Freiherr von Manteuffel in Hofgeismar eingezogen und arbeite neben der soldatisch militärischen Ausbildung als Hufschmied. Im Militärpass wird am 12. Juni 1895 vermerkt, dass er das Befähigungszeugnis zum "Betriebe des Hufbeschlaggewerbes mit sehr gut erworben" hat. Im Ersten Weltkrieg hat der Gefreite Jürgens im Oktober 1915 an den Kämpfen bei Roye und im Frühjahr 1916 nördlich von Verdun teilgenommen. Am 31.12.1916 wurde Heinrich Jürgens zur Arbeitsleistung bei den Verein für Chemische Industrie Oeventrop nach Wennemen entlassen und bis zum 31.7.1917 vom Heeresdienst befreit. Er ist später nicht mehr eingezogen worden. Für diese Befreiung war der Tod seiner Ehefrau Elisabeth, geborene Meyer (gestorben 18.2.1917) und die Versorgung seiner sechs, noch minderjährigen Kinder ausschlaggebend.

Die damalige Schmiedewerkstatt befand sich in dem Haus des Johann Kessler (Odolfes) . Über der Schmiede lag ein bescheidene Wohnung, die Heinrich Jürgens mit seiner Ehefrau und vier auf der "Schmitte" geborenen Kinder bewohnte. Für die große Familie wurde zu klein. Der Stolz, ein Eigentum von Werkstatt und Wohnung zu besitzen, veranlasste Heinrich Jürgens das nahegelegene Nummer 17a an der Dorfstraße, das dem Gastwirt Rudolf Niemeyer gehörte und früher zum Bauernhof Becker zählte. Der Kaufvertrag wurde am 21. April 1909 geschlossen. Im neuen eigenen Wohnhaus wurden noch zwei weitere Kinder geboren.

Im gleichen Jahr ließ Meister Heinrich Jürgens von dem Bauunternehmer Joseph Jürgens seine Schmiede bauen. Die Rechnung datiert auf dem 14.11.1909. Von der Stellung des Bauantrages am 14.7. bis zur Fertigstellung der Werkstatt hat es nur 4 Monate gedauert.

In der bisherigen Werkstatt richtete später Bäcker Theodor Rüßmann seine Backstube ein. Mit dem Jahr 1909 erlebte Heinrich Jürgens den Bau einer eigenen Werkstatt und den Erwerb eines eigenen Wohnhauses einen doppelten Neuanfang für Familie und Beruf.

Sieben Lehrlinge wurden von Meister Jürgens zu Gesellen ausgebildet. Die große Schaffensfreude und da handwerkliche Können, aber auch seine Aufrichtigkeit sicherten ihm einen beachtlichen Kundenkreis und damit eine gute Auftragslage.

Zweite Generation

Schmiedemeister Georg Jürgens nach Ablegung der Meisterprüfung 1932 beim Hufbeschlag. Aufnahme 1936
Schmiedemeister Georg Jürgens nach Ablegung der Meisterprüfung 1932 beim Hufbeschlag. Aufnahme 1936
Sein Sohn Georg Jürgens (geboren 1907) begann nach der Volksschulzeit die Lehre beim Vater. Auch er ging nach Erlangen des Gesellenbriefes zunächst auf die Walz. Er arbeitet in verschiedenen Betrieben im Rheinland und war auch bei einem Schmied in Freiburg im Breisgau tätig. Dem Drang nach kreativer Arbeit folgend, besuchte er 1931/32 die Handwerker-Kunstgewerbeschule in Dortmund. Nach Besuch der Hufbeschlagschule in Bielefeld legte er am 16. Juni 1932 vor der Handwerkskammer in Arnsberg die Meisterprüfung ab. Als praktische Prüfungsarbeit musste er eine Wagenwinde und eine Blatthacke schmieden. Die erfolgreiche Teilnahme an einem Gas-Schmelz-Schweißkurs brachte für vielen Arbeiten eine wesentliche Erleichterung.

Die beiden Huf- und Wagenschmiedemeister Heinrich und Georg Jürgens vor der Werkstatt hinter einem Wagenteil (Hinterachse mit Holzrädern, auf die Eisenreifen aufgezogen worden sind). Aufnahme 1936
Die beiden Huf- und Wagenschmiedemeister Heinrich und Georg Jürgens vor der Werkstatt hinter einem Wagenteil (Hinterachse mit Holzrädern, auf die Eisenreifen aufgezogen worden sind). Aufnahme 1936
Zum Schmiedebetrieb gehörte, schon zur Zeit des Vorgängers Fischer bis 1965 der Kohlenhandel, und im Wohnhaus befand sich der von Georg Jürgens gegründete "Laden", in dem anfangs landwirtschaftliche Gerätschaften und Werkzeuge, später Haushaltswaren und Geschenkartikel zum Kauf angeboten wurden. Josepha, die Ehefrau von Georg Jürgens widmete sich dieser Tätigkeit mit großer Hingabe bis 1979.

Nach der Meisterprüfung arbeiteten Vater und Sohn bei guter Auftragslage zusammen. Diese Situation wurde leider durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Georg Jürgens wurde 1940 als Soldat eingezogen und erlitt den Krieg als Unteroffizier in Frankreich, Polen und Rußland (Kaukasus, Krimm). Er kehrte am 15. August 1945 aus russischer Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück.

Der Weltkrieg mit all seinem wirtschaftlichen Auswirkungen machte ich auch im Handwerk bemerkbar. Zudem eroberte auch schon bald die Technik die Landwirtschaft. Pferde wurden durch Traktoren verdrängt, Eisenbeschlagene Wagenräder von Gummi bereiften Wagen. Das wirkte sich natürlich auch auf das Schmiedehandwerk aus. Während dieser Umbruchphase starb Heinrich Jürgens 1953 im Alter von 82 Jahren.

Georg Jürgens hatte vier Lehrlinge ausgebildet und hat seinen Beruf als Huf- und Wagenschmied weiter ausgeübt. Er widmete sich immer mehr der Ausführung von Kunstschmiedearbeiten. Auf Grund seiner Fähigkeiten und Kenntnisse wurde er als Beisitzer in den Kunstschmiedemeisterausschuss berufen.

Dritte Generation

Sohn Heinrich Jürgens schaut seinem Vater beim Schmieden eines Hofeisens zu. Er hat später in der dritten Generation diese handwerkliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt. Aufnahme 1950
Sohn Heinrich Jürgens schaut seinem Vater beim Schmieden eines Hofeisens zu. Er hat später in der dritten Generation diese handwerkliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt. Aufnahme 1950
Im Jahre 1963 trat in der dritten Generation Heinrich Jürgens (geboren 1944) in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters. Er war Lehrling bei dem Kunstschmied Reiner Finke in Arnsberg und hatte nach erfolgreicher Lehrzeit die Gesellenprüfung mit so gutem Erfolg abgelegt, dass er am "Praktischen Leistungswettbewerb" der "Handwerksjugend" teilnehme konnte, aus dem er als zweiter Landessieger hervorging. Während der Gesellenzeit stellte er verschiedene Arbeiten bei Ausstellungen in Köln und Arnsberg aus. Die berufliche Weiterqualifizierung in anderen Betrieben und der Besuch eine Kunstgewerbeschule wurden unterbrochen, durch den plötzlichen Tod (am 4.9.1967). In der umgebauten und vergrößerten Werkstatt erledigte Heinrich Jürgens zunächst Schlosserarbeiten. Nach Ablegung der Meisterprüfung 1969 lenke er sein Schaffen ganz auf Kunstschmiedearbeiten. Zeitgemäße Arbeiten nach eigenen und vorgegebenen Entwürfen waren jetzt sein Ziel. Sämtliche Arbeiten sollten auf bewährter handwerklicher Grundlage beruhen. 1982 wurde die Werkstatt noch einmal vergrößert. Weitere Veränderungen sind im Zusammenhang mit dem Umbau und der Renovierung des Wohnhauses ab 2006 zu sehen. Meister Heinrich Jürgens bildete acht Lehrlinge aus.

Vierte Generation

Meister Georg Jürgens und Geselle Heinrich Jürgens beim Kunstschmieden eines Zaunes in der umgebauten Werkstatt. Aufnahme 1966
Meister Georg Jürgens und Geselle Heinrich Jürgens beim Kunstschmieden eines Zaunes in der umgebauten Werkstatt. Aufnahme 1966
Inzwischen arbeitet Rafael Jürgens (geboren 1976) in der vierten Generation in der Schmiede Jürgens. Beim Vater ausgebildet, kümmerte er sich lange Zeit als begeisterter, ideenreicher und tüchtiger Handwerksgeselle um die praktische Umsetzung der vom Vater entworfenen Werke. In anerkannter Weise bedient er sich der neuen Werbe- und Informationsmöglichkeiten des Computers. Die optisch ansprechende, reich bebilderte Homepage seines spezialisierten Handwerkbetriebes wurde in der Fachzeitschrift "Computer im Handwerk" (4/2005) zur "Homepage des Monats" erklärt. Bemerkenswert ist, dass das Interesse des Nachwuchses nicht abreißt. Viele "Lehrlinge" wurden zu Gesellen ausgebildet, zum Teil mit sehr gutem Erfolg, und wurden Kammer-, Landes- und Bundessieger beim "Praktischen Wettbewerb des Handwerksjugend".

Hervorragende Schmiedearbeiten für den profan und sakralen Bereich trage zum guten Ruf der Kunstschmiede Jürgens bei. Architekten, der Landeskonservator und die zuständigen Ämter der Bistumsverwaltung schätzen das Kunstempfinden und die kunsthandwerklichen Fähigkeiten von Heinrich und Rafael Jürgens. So wundert es nicht, dass man ihre Arbeiten an vielen Orten in Deutschland und sogar im Ausland sehen kann.

Heinrich übergibt den Betrieb an seinen Sohn Rafael

Rafael Jürgens - rechts - mit Geselle Marcus Böhmer
Rafael Jürgens - rechts - mit Geselle Marcus Böhmer
Am 2. Januar 2012 hat Heinrich Jürgens die Schmiede offiziell an seinen Sohn Rafael übergeben. In der vierten Generation trägt er nun die Verantwortung für das ihm anvertraute Erbe. Aus der Huf und Wagenschmiede" des Urgroßvaters und Großvaters hat sich unter deren Nachfolgern eine weithin bekannte und angesehene "Kunstschmiede" entwickelt, in der mit überlieferten und bewährten Handwerkstechniken, vor allem das Material geschmiedet wird, das alle bisherigen Meister bearbeitet haben, das Eisen (den Stahl).

Am 2. Januar 1901 erfolgte die eigentliche Betriebsgründung und Selbständigkeit. Mit diesem Tag, also vor 120 Jahren, beginnt die inzwischen traditionsreiche Geschichte der Schmiede Jürgens.

Der Gründer Heinrich Jürgens ist vor 150 Jahren (10.1.1871) geboren.

Seit fast 10 Jahren leitet Rafael Jürgens (geboren 1976) die Schmiede. Jahreszahlen und Ereignisse, die zur Erinnerung und zur Würdigung anregen.

"Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."

Adresse

Kunstschmiede Rafael Jürgens - Dorfstraße 5 - 59872 Meschede/Wennemen
Telefon 0 29 03 / 61 56 -

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